Literaturkonzert „Europa – Identität und Zukunft“

UPF-OÖ hat am 25.6. 2018 zu einem Literaturkonzert in das OÖ Kulturquartier in Linz eingeladen.

Das Literaturkonzert zum Thema

„Europa – Identität und Zukunft“

stand im Zeichen des Weltflüchtlingstages,

der seit 2001 jedes Jahr am 20. Juni begangen wird.

Die Texte wurden ausgewählt und vorgetragen von der bekannten

Schauspielerin und ehemaligen EU-Parlamentarierin Raina Mercedes Echerer.

Das Programm war hervorragend abgestimmt mit dem jungen

Barock-Ensemble Adornamento.

Maria Pammer stellte kurz UPF vor und sprach über aktuelle Fakten zum Weltflüchtlingstag, die vom UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR veröffentlicht wurden. Weltweit waren im vergangenen Jahr rund 68,5 Mio. Menschen wegen Konflikt, Verfolgung und Menschenrechtsverletzungen auf der Flucht, das sind mehr als Frankreich oder Großbritannien Einwohner haben.

Mercedes Echerer wollte keinen Vortrag zum Thema halten, sondern die Kultur sprechen lassen. Sie stellte zu Beginn die Frage: Welche Identität hat Europa und welche Zukunft kann daraus abgeleitet werden? Europa steht unter anderem für Demokratie, Freiheit, Gleichberechtigung, Menschenrechte und Freiheit des Wortes. Unsere Großeltern sind auf die Barrikaden gegangen und haben zum Teil ihr Leben gelassen, dass wir frei wählen können, was keine Selbstverständlichkeit ist. Ein weiteres Kennzeichen Europas ist die Vielfalt der Gesellschaft und der Kulturen und das soll auch in der Zukunft so bleiben.

Nach ihrer Einleitung las Mercedes Echerer die Erzählung „Liebe“ des ungarischen Schriftstellers Déry Tibor (1894-1977). Zusammen mit einigen anderen linken Intellektuellen gilt Déry als einer der geistigen Wegbereiter des Aufstandes 1956 in Ungarn.

Es folgte eine Sonata Seconda von Johann Rosenmüller aus dem 17. Jhd.

Als nächstes las Mercedes „Gedichte an meine Frau aus dem Gefängnis“ des türkischen Dichters Nazim Hikmet, der mehr Jahre im Gefängnis und Exil verbracht hatte als er auf freiem Fuß gelebt hatte, gefolgt von einer Sonata von Domenico Scarlatti.

Nach einem Auszug aus der Erzählung „Die Hirsche, meine Mutter und Deutschland“ der noch lebenden türkischen Journalistin und Autorin, Nursel Duruel, die für ihre Erzählungen mehrfach ausgezeichnet wurde, folgte eine Folia von Andrea Falconieri gespielt vom Ensemble Adornamento.

Ein Zuhörer sagte, dass der ganze Raum von der Energie ihrer Lesung schwang, so identifizierte sich Mercedes Echerer mit den Texten. Mercedes selber und manch ein Zuhörer mussten sich immer wieder Tränen aus dem Gesicht wischen.

Besonders intensiv war dann ein Auszug aus dem Buch von Ernö Lazarovits, „Mein Weg durch die Hölle“, einem ungarischen Juden, der den Todesmarsch von Ungarn nach Mauthausen in den letzten Tagen und Wochen des zweiten Weltkrieges überlebt hatte.

Nach einem weiteren Stück von Andrea Falconiere (1585-1656) las Mercedes Echerer Ausschnitte aus dem vor einem Jahr von ihr selbst herausgegebenen Hörbuch „Rumänisches Roulette“. Es ist eine fiktionale Geschichte aber auf Basis ihrer Lebensfakten. Ihre Mutter stammt aus Siebenbürgen und kam 1950 nach Österreich. Die Geschichte beschäftigt sich mit Heimat, Identität, Familie und ist eine spannende Reise in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eines Europas, in welchem Geschichte und Geschichten sich ineinander verweben.

Es folgten weitere Musikstücke von Antonia Caldara (1670-1736) und Andrea Falconieri.

Zum Schluss las Mercedes Echerer Gedichte des 2015 aus Syrien geflüchteten Schriftstellers und Journalisten Ali Al Hasan – Lyrik aus Syrien und Werke, die er bereits in deutscher Sprache verfasste. Nach einem Musikstück von Arcangelo Corelli (1653-1713) überreichte der anwesende Dichter Ali Al Hasan Mercedes Echerer Rosen und bedankte sich herzlich für die Möglichkeit, dass einige seiner Werke im Programm dieses Literaturkonzertes anlässlich des Weltflüchtlingstages vorgetragen wurden und er auch persönlich teilnehmen konnte.

Ein herzliches Dankeschön an Frau Mercedes Echerer für die berührenden Texte und an das junge Barock-Ensemble Adornamento für die große Klangqualität ihrer vorgetragenen Musikstücke und die sensible Abstimmung auf die Texte. Es war für uns alle nicht nur ein kulturelles Erlebnis, sondern ein Anstoß über Identität, Heimat, Familie und die Zukunft Europas nachzudenken.

 

Maria Pammer/UPF-OÖ

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